19. April 2018
Lesezeit ca. 23 Min.

Shiatsu (japanisch „Fingerdruck") ist eine sanfte, fernöstliche Massagetechnik, die mit gezieltem Druck auf Akupressurpunkte entlang der Energieleitbahnen (Meridiane) den natürlichen Energiefluss im Körper ausbalanciert. Anders als bei der klassischen Massage wird nicht geknetet — sondern punktgenau, langsam und konzentriert gedrückt. In dieser ausführlichen Anleitung erfahren Sie alles über Wirkung, Anwendung, die wichtigsten Shiatsu-Punkte, Kontraindikationen und wie Sie Shiatsu als Selbstmassage sicher selber anwenden.

Key Facts – Shiatsu Massage

  • Drucktechnik: Punktgenau und konzentriert mit Daumen, Handballen oder Ellenbogen — nicht knetend wie bei der klassischen Massage.
  • Verweildauer: Pro Akupressurpunkt 5-7 Sekunden Druck halten — dann erst entspannt sich die Muskulatur und das Qi fließt.
  • Anwendungsfelder: Verspannungsgefühl, Stress, Schwierigkeiten beim Abschalten, Wunsch nach einer Anwendung in Kleidung.
  • Wirkprinzip: Aktivierung der 12 Hauptmeridiane (Energieleitbahnen) der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).
  • Selbstanwendung: Als Shiatsu-Selbstmassage an Nacken, Schultern, Händen, Füßen und im Gesicht auch allein durchführbar.
  • Vorsicht: Nicht bei akuten Infekten, Fieber, frischen Verletzungen, in der Schwangerschaft (1. Trimester) oder bei Tumorerkrankungen.

Was ist Shiatsu? Herkunft & Philosophie

Shiatsu wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Japan entwickelt — ihr Begründer Tokujiro Namikoshi kombinierte traditionelle japanische Anma-Massage mit westlichen anatomischen Erkenntnissen. Die Wurzeln reichen jedoch deutlich tiefer in die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), die seit über 3.000 Jahren das Konzept des Qi (Lebensenergie) und der Meridiane kennt.

Shiatsu-Therapeut bei der Anwendung der Daumen-Drucktechnik
Klassische Shiatsu-Anwendung: punktgenauer Druck mit den Daumen entlang der Meridiane.
© stevica mrdja/EyeEM - stock.adobe.com

Shiatsu basiert auf der Idee, dass blockierte oder ungleichmäßig fließende Energie körperliche und seelische Beschwerden verursacht. Durch gezielten Fingerdruck auf bestimmte Punkte (sogenannte Tsubos) sollen diese Blockaden gelöst und das energetische Gleichgewicht wiederhergestellt werden. Die Technik ist eine Kombination aus:

  • Akupressur — Druck auf spezifische Energiepunkte
  • Dehnung — sanfte Streckung der Meridiane
  • Rotation — Mobilisation der Gelenke
  • Atemarbeit — Synchronisation mit dem Atemrhythmus des Klienten

Zentral für das Verständnis von Shiatsu sind zwei Begriffe: Ki (chinesisch Qi) bezeichnet die Lebensenergie, die nach fernöstlicher Vorstellung durch den Körper strömt, und Tsubo steht für die einzelnen Reizpunkte auf den Meridianen. Ziel jeder Anwendung ist es, das Ki wieder gleichmäßig fließen zu lassen. Als reine Wellness- und Entspannungsmethode verstanden, ersetzt Shiatsu keine ärztliche Behandlung, kann aber Wohlbefinden und Regeneration spürbar unterstützen.

Wirkung: Was Shiatsu im Körper bewirkt

Aus westlich-medizinischer Sicht aktiviert Shiatsu nachweislich:

  • Parasympathikus — der „Ruhenerv" wird stimuliert, Stresshormone (Cortisol, Adrenalin) sinken
  • Durchblutung — bessere Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen
  • Lymphfluss — Anregung des Lymphabtransports, Reduktion von Stauungen
  • Endorphin-Ausschüttung — körpereigene Schmerzlinderer werden aktiviert
  • Faszien-Mobilität — Verklebungen lösen sich, Beweglichkeit verbessert sich

Aus TCM-Sicht harmonisiert Shiatsu das Yin-Yang-Gleichgewicht und stärkt das Wei-Qi (Abwehr-Qi), wodurch der Körper widerstandsfähiger gegen Erkrankungen wird. Im Vordergrund steht dabei stets die Entspannung: Die meisten Menschen suchen Shiatsu, um im Alltag Stress abzubauen, besser zu schlafen und Verspannungen zu lösen — nicht als Heilverfahren, sondern als wohltuende Wellness-Anwendung.

Wann ist Shiatsu sinnvoll? (Typische Anlässe)

Shiatsu eignet sich vor allem im präventiven und im Wellness-Bereich:

  • Verspannungen — Nacken, Schultern, Rücken (häufigster Anlass)
  • Stress & Anspannung im Alltag
  • Wunsch nach abendlicher Ruhe — die ruhige Druckarbeit wird als beruhigend erlebt
  • Spannungsgefühl im Kopf- und Nackenbereich — durch Druckpunkte an Hals und Händen
  • Wohlbefinden im Bauchraum — sanfter Druck auf die Bauch-Meridiane
  • Energiemangel & Müdigkeit
  • Begleitend in den Wechseljahren — als Wohlfühl-Anwendung
  • Sportregeneration — schnellere Erholung nach intensivem Training

Wann NICHT anwenden? (Kontraindikationen)

Bei einigen Erkrankungen oder Zuständen ist Shiatsu nicht empfehlenswert oder erfordert ärztliche Rücksprache. Klären Sie im Zweifel jede der folgenden Situationen vorab mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab:

  • Fieber, akute Infektionen — Krankheitserreger könnten gestreut werden
  • Frische Verletzungen, Knochenbrüche, akute Entzündungen
  • Frühschwangerschaft (1. Trimester) — bestimmte Druckpunkte können vorzeitige Wehen auslösen
  • Bösartige Tumorerkrankungen (akut, unbehandelt) — Risiko der Streuung
  • Akute Thrombose oder Thrombose-Verdacht
  • Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen — vor allem bei Druck auf Brust- und Halsregion ärztlich abklären
  • Blutverdünnende Medikamente — Hämatomgefahr

Die 5-Elemente-Lehre & die 12 Meridiane

Das theoretische Fundament von Shiatsu bilden die 5 Elemente der TCM (Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser), die jeweils mit Organen und Meridianen verknüpft sind:

Schematische Darstellung der zwölf Hauptmeridiane des menschlichen Körpers
Die 12 Hauptmeridiane laut TCM — entlang dieser Energieleitbahnen verlaufen die Druckpunkte.
© Peter Hermes Furian - stock.adobe.com
  • Holz (Leber, Gallenblase) — Frühling, Wut, Sehnen
  • Feuer (Herz, Dünndarm) — Sommer, Freude, Kreislauf
  • Erde (Milz, Magen) — Spätsommer, Sorge, Verdauung
  • Metall (Lunge, Dickdarm) — Herbst, Trauer, Atmung
  • Wasser (Niere, Blase) — Winter, Angst, Knochen

Insgesamt gibt es 12 Hauptmeridiane, auf denen über 360 klassische Akupressurpunkte verteilt sind. In der Selbstanwendung konzentriert man sich meist auf die wichtigsten 20-30 Punkte, die für Wellness-Anwendungen ausreichen.

Die wichtigsten Shiatsu-Punkte und Druckpunkte

Die eigentliche Arbeit beim Shiatsu findet an klar definierten Reizpunkten statt. Diese Shiatsu-Punkte — im Japanischen Tsubo genannt — liegen wie Perlen auf einer Kette entlang der Meridiane und markieren jene Stellen, an denen die Lebensenergie Ki besonders nah an der Körperoberfläche fließt. Bevor Sie die einzelnen Punkte anwenden, lohnt ein Blick auf ihr Grundprinzip.

Ein Tsubo ist kein anatomisch sichtbarer Punkt, sondern eine tastbare Vertiefung oder ein leicht empfindlicher Bereich im Gewebe. Erfahrene Anwender finden die wichtigsten Shiatsu-Druckpunkte nicht über Millimeter-Koordinaten, sondern durch achtsames Ertasten: Wo das Gewebe leicht nachgibt oder sich ein dumpfes „Das ist es"-Gefühl einstellt, sitzt der Punkt. Für den Wellness-Bereich genügen einige wenige, sehr zuverlässige Tsubos.

Die folgenden Shiatsu-Punkte gehören zu den bekanntesten und lassen sich sowohl in der Behandlung als auch in der Selbstanwendung sicher nutzen:

  • Hegu (Dickdarm 4) — in der Schwimmhaut zwischen Daumen und Zeigefinger; klassischer Punkt bei Kopfschmerzen und Verspannungen. In der Schwangerschaft meiden.
  • Fengchi (Gallenblase 20) — beidseitig in den Vertiefungen am Übergang von Hals und Hinterkopf; löst Spannungskopfschmerz und müde Augen.
  • Jianjing (Gallenblase 21) — auf der höchsten Stelle der Schultermuskulatur; der Punkt für den klassischen Nacken-Schulter-Stress.
  • Neiguan (Perikard 6) — drei Fingerbreit unterhalb der Handgelenksfalte an der Unterarm-Innenseite; beruhigt und wirkt gegen Übelkeit.
  • Zusanli (Magen 36) — eine Handbreit unterhalb der Kniescheibe, seitlich des Schienbeins; gilt als Kräftigungspunkt für Verdauung und Energie.
  • Yongquan (Niere 1) — in der Vertiefung des vorderen Fußsohlen-Drittels; stark erdend und einschlaffördernd.

Halten Sie jeden dieser Druckpunkte mit sanft zunehmendem Druck etwa 5-7 Sekunden, lösen Sie langsam und wiederholen Sie den Reiz zwei- bis dreimal. Wichtig ist die Abgrenzung zu einem verwandten Begriff: Ashiatsu bezeichnet eine Barfuß-Massage, bei der der Behandler mit den Füßen und dem eigenen Körpergewicht arbeitet — das ist trotz des ähnlichen Klangs nicht dasselbe wie Shiatsu, das über gezielten Finger- und Daumendruck wirkt.

Vorbereitung: Was Sie wissen müssen

Im Gegensatz zu vielen anderen Massagetechniken benötigt Shiatsu kein Massageöl — ja, es würde sogar stören, weil die Druckpunkte sicher gefunden und gehalten werden müssen. Bereiten Sie vor:

  • Bequeme Kleidung — Shiatsu wird traditionell bekleidet durchgeführt (lockere Baumwollkleidung)
  • Futon oder feste Matte auf dem Boden — Shiatsu wird klassisch auf dem Boden gegeben (Therapeut nutzt Körpergewicht effizient)
  • Warme, ruhige Atmosphäre — mindestens 22°C, gedämpftes Licht, keine Ablenkung
  • Klient sollte 1 Stunde vorher nichts schweres gegessen haben — der Bauch wird massiert
  • Wasser zum Trinken — vor und nach der Anwendung
  • Ruhig & konzentriert sein — Shiatsu lebt von der Aufmerksamkeit des Therapeuten

Innere Haltung des Anwenders

Was Shiatsu von vielen anderen Massagetechniken unterscheidet, ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Anwender und Klient. Bei Shiatsu geht es nicht darum, eine mechanische Abfolge von Griffen abzuarbeiten — sondern darum, dass der Anwender mit sich selbst im Reinen ist und seine eigene innere Balance ausstrahlt.

Hektik, Impulsivität oder Stress übertragen sich unmittelbar auf den Klienten. Stattdessen sind Empathie, Ruhe, Toleranz und Konzentration die Eigenschaften eines guten Shiatsu-Therapeuten. Diese Haltung ist es auch, die der behandelten Person das Loslassen erleichtert. Vor jeder Sitzung empfehlen wir 2-3 Minuten bewusstes Atmen, um zur eigenen Mitte zu finden.

Ulrich Pötter, staatlich anerkannter Therapeut
Mein Tipp aus 20+ Jahren Praxis als staatlich anerkannter Therapeut:

Bei Shiatsu ist nicht die Stärke des Drucks entscheidend, sondern die Konzentration und das bewusste Hineinhören in den Körper des Klienten. Anstatt schnell von Punkt zu Punkt zu wechseln, halten Sie den Druck pro Akupressurpunkt etwa 5-7 Sekunden — dann erst spüren Sie, wie sich die Muskulatur entspannt und das Qi frei fließen kann. Und: Setzen Sie Ihr eigenes Körpergewicht ein, statt mit den Daumen zu drücken — das schont Ihre Gelenke langfristig und der Klient empfindet den Druck als gleichmäßiger und tiefer.

Ablauf einer Shiatsu-Behandlung: Was Sie erwartet

Eine professionelle Shiatsu-Behandlung ist mehr als eine Aneinanderreihung von Druckpunkten — sie folgt einem ruhigen Bogen von der Ankunft bis zum Nachklang. Wer weiß, was auf der Matte passiert, kann sich besser fallen lassen und den Effekt vertiefen.

Zu Beginn steht ein kurzes Gespräch über Befinden, Beschwerden und Tagesform. Anschließend nimmt der Klient bekleidet auf einem Futon Platz. Der Behandler beginnt mit sanften, flächigen Kontakten, um Vertrauen aufzubauen und den Atemrhythmus aufzunehmen. Erst danach folgt die eigentliche Arbeit entlang der Meridiane mit gezieltem, gehaltenem Druck auf die einzelnen Tsubos.

Im Verlauf wechseln sich Druckphasen mit sanften Dehnungen und Gelenkrotationen ab; der Behandler arbeitet meist von den körperfernen zu den körpernahen Regionen und schließt jede Zone bewusst ab. Zum Ende hin werden die Reize weicher, bis die Sitzung in einer kurzen Ruhephase ausklingt. Rechnen Sie mit 60 bis 90 Minuten und planen Sie danach etwas Zeit zum Nachspüren ein — viele Menschen fühlen sich angenehm schwer und tief entspannt.

Shiatsu Anleitung: Schritt für Schritt

Eine vollständige Shiatsu-Behandlung dauert 60-90 Minuten und folgt einem festen Ablauf. Für die Anwendung am Partner genügen 15-20 Minuten konzentrierte Arbeit am häufigsten betroffenen Bereich (meist Schulter-Nacken-Region):

Shiatsu-Massage am Nackenbereich
Schulter-Nacken-Shiatsu: einer der häufigsten Anwendungsbereiche bei Stress und Verspannungen.
© Margit Power - stock.adobe.com
  1. Begrüßung & Atemharmonisierung (1-2 Min): Hände auf Rücken oder Schultern legen, mit dem Atemrhythmus des Klienten synchronisieren — schafft Vertrauen und Energie-Verbindung.
  2. Schulter-Linie (3-4 Min): Mit beiden Daumen gleichzeitig auf die Trapezius-Muskulatur drücken — links und rechts symmetrisch. Pro Punkt 5-7 Sekunden halten, dann 1-2 cm weiter Richtung Schultergelenk.
  3. Nacken seitlich (3-4 Min): Mit Daumen und Zeigefinger die seitlichen Halsmuskeln (Sternocleidomastoideus) sanft greifen und Punkte langsam hochwandern.
  4. Hinterkopf-Linie (2-3 Min): Druck auf die Punkte am Übergang zwischen Hals und Hinterkopf (Gallenblasen-Meridian) — wirkt stark gegen Spannungskopfschmerz.
  5. Schulterblätter (3-4 Min): Ellenbogen oder Handballen einsetzen für tieferen Druck zwischen Wirbelsäule und Schulterblatt.
  6. Arme & Hände (3-4 Min): Vom Schulteransatz zur Hand hin, alle 4 Daumen-Punktreihen abarbeiten — wirkt regulierend auf Lunge, Herz und Dickdarm.
  7. Abschluss (1-2 Min): Hände sanft über den behandelten Bereich gleiten lassen — Energie wird „versiegelt". Klient sollte 5 Min nachruhen.

Shiatsu-Selbstmassage: sanfte Selbstanwendung

Sie brauchen keinen Partner, um von Shiatsu zu profitieren. Die Shiatsu-Selbstmassage ist eine der einfachsten Möglichkeiten, im Alltag Verspannungen zu lösen und zur Ruhe zu kommen — überall und ohne Hilfsmittel. Bei der Selbstmassage behandeln Sie gut erreichbare Bereiche an sich selbst, vor allem Nacken und Schultern, Hände, Füße und das Gesicht.

Nehmen Sie sich für die Selbstmassage 10 bis 15 Minuten Zeit, setzen oder legen Sie sich bequem hin und atmen Sie zunächst einige Male tief in den Bauch. Arbeiten Sie sich dann Schritt für Schritt durch die folgenden Bereiche:

  1. Nacken & Schultern: Legen Sie die Fingerkuppen beider Hände seitlich der Halswirbelsäule an und drücken Sie die Muskulatur von oben nach unten Punkt für Punkt jeweils 5-7 Sekunden. Wandern Sie dann mit Daumen oder Mittelfinger auf den höchsten Punkt der Schulter (Jianjing) und lösen Sie den dortigen Spannungsknoten.
  2. Hände: Drücken Sie mit dem Daumen der einen Hand kräftig in die Handfläche der anderen und kreisen Sie langsam. Bearbeiten Sie anschließend den Punkt Hegu in der Schwimmhaut zwischen Daumen und Zeigefinger — ein bewährter Griff bei Kopfschmerz und innerer Unruhe.
  3. Füße: Umfassen Sie einen Fuß mit beiden Händen und drücken Sie mit den Daumen die gesamte Fußsohle ab, besonders den erdenden Punkt Yongquan im vorderen Sohlendrittel. Die Fußarbeit wirkt abends besonders beruhigend.
  4. Gesicht: Streichen Sie mit den Fingerkuppen sanft von der Nasenwurzel über die Augenbrauen nach außen, verweilen Sie an den Schläfen und an den Punkten neben den Nasenflügeln. Das entspannt die mimische Muskulatur und löst Anspannung im Kopf.
  5. Abschluss: Streichen Sie zum Schluss mit den Handflächen locker über Arme, Beine und Gesicht und bleiben Sie einen Moment ruhig sitzen, um die Wirkung nachklingen zu lassen.

Die Selbstmassage ersetzt keine vollständige Behandlung, ist aber ideal als tägliches Ritual gegen Stress. Achten Sie auch bei der Selbstanwendung auf angenehmen, nie schmerzhaften Druck und beachten Sie die genannten Kontraindikationen.

Häufige Fehler bei der Selbstanwendung

Aus meiner Praxis sind das die Top-5-Fehler bei Shiatsu-Anfängern — bitte unbedingt vermeiden:

  • Zu schnelles Tempo: Shiatsu lebt von der Verweildauer. Wer alle 1-2 Sekunden den Punkt wechselt, erreicht keine Wirkung.
  • Daumen statt Körpergewicht: Wer mit Daumenmuskelkraft drückt, ermüdet schnell und wird ungenau. Lehnen Sie sich vor und nutzen Sie das Gewicht des Oberkörpers.
  • Massageöl verwenden: Shiatsu funktioniert NUR auf trockener Haut oder durch Kleidung — Öl macht die Druckpunkte unpräzise.
  • Druck zu fest: Wenn der Klient die Luft anhält oder verkrampft, ist der Druck zu stark. Richtig ist „angenehm intensiv".
  • Bei Schmerzen weitermachen: Shiatsu darf intensiv, aber niemals scharf-schmerzhaft sein. Stop, Druck reduzieren, weniger tief.

Begleiterscheinungen — Wann zum Arzt?

Bei korrekter Anwendung ist Shiatsu nebenwirkungsarm. Mögliche Reaktionen:

  • Müdigkeit/Schläfrigkeit direkt danach — normal, der Parasympathikus wurde aktiviert
  • Leichte Muskelkater-ähnliche Empfindung in den nächsten 1-2 Tagen — vergleichbar mit Sportmuskelkater
  • Emotionale Reaktionen (Tränen, Erleichterung) — bei Shiatsu durchaus üblich, bedeutet, dass energetische Blockaden gelöst wurden
  • Häufigerer Harndrang — Lymph- und Stoffwechselaktivierung

Sofort einen Arzt aufsuchen, wenn:

  • plötzlich starke, stechende Schmerzen auftreten
  • Hämatome (Blutergüsse) entstehen — bei sanftem Shiatsu unüblich, kann auf Blutgerinnungsproblem hindeuten
  • Schwindel, Übelkeit oder Herzklopfen länger als 1-2 Stunden anhalten

Shiatsu lernen: Vom Ausprobieren zur Kompetenz

Erste Griffe der Selbstmassage lassen sich in wenigen Minuten ausprobieren — echte Sicherheit im Umgang mit Meridianen, Tsubos und Drucktechnik entsteht jedoch erst durch strukturiertes Üben. Wer Shiatsu für Familie und Freundeskreis oder als ergänzende Wellness-Dienstleistung anwenden möchte, sollte den Ablauf systematisch erlernen.

Grundsätzlich stehen dafür zwei Wege offen: das begleitete Selbststudium mit professionellen Lernvideos, das Sie zeitlich und örtlich flexibel absolvieren, sowie klassische Präsenzseminare mit direktem Feedback. Für die meisten Einsteiger ist ein gut aufbereitetes Heimstudium der pragmatischste Start — Sie können jeden Griff so oft wiederholen, bis er sitzt, und lernen die Shiatsu-Punkte im eigenen Tempo sicher zu treffen.

Lernen Sie die professionelle Shiatsu-Massage komplett

In unserem WHI-Heimstudium „Shiatsu-Massage" vermitteln unsere qualifizierten Fachtherapeut:innen alle Druckpunkte, Meridiane und Grifftechniken auf DVD, als Stream und als Download — inklusive persönlichem Zertifikat. Sie können bequem zu Hause lernen, in Ihrem eigenen Tempo, ohne Prüfungsstress. Wer Shiatsu zusammen mit weiteren Massagetechniken erlernen möchte, holt sich gleich das komplette Praktiker-Heimstudium mit allen 11 Massage-Techniken und beiden Print-Zertifikaten.

Fazit

Shiatsu ist eine ebenso tiefgründige wie wirksame Massagetechnik, die östliche Energiearbeit und westliche Anatomie verbindet. Wer die fundamentalen Prinzipien verstanden hat — punktgenauer Druck, ruhiges Tempo, Körpergewicht statt Muskelkraft, bekleideter Klient auf dem Boden — kann mit Shiatsu erstaunliche Erfolge bei Verspannungen, Stress und energetischem Ungleichgewicht erzielen. Und dank der Shiatsu-Selbstmassage lässt sich ein Teil dieser Wohltat jederzeit auch allein anwenden.

Für die professionelle Anwendung am Kunden oder als ergänzende Wellness-Dienstleistung empfehlen wir eine fundierte Ausbildung. Mit unseren professionellen Lernvideos lernen Sie alle Druckpunkte, Meridiane und Grifftechniken Schritt für Schritt von erfahrenen Therapeuten — bequem zu Hause, im eigenen Tempo, mit lebenslangem Zugriff auf Stream und Download.

Häufige Fragen zur Shiatsu-Massage

Wie unterscheidet sich Shiatsu von einer klassischen Massage?

Shiatsu arbeitet mit punktgenauem Druck auf Akupressurpunkte und folgt dem TCM-Konzept der Meridiane. Die klassische Massage knetet, streicht und walkt das Gewebe großflächig. Shiatsu wird zudem bekleidet auf dem Boden durchgeführt, klassische Massage unbekleidet auf der Bank mit Öl.

Kann man Shiatsu selber machen?

Ja. Eine Shiatsu-Selbstmassage an Nacken und Schultern, Händen, Füßen und im Gesicht lässt sich problemlos allein durchführen und eignet sich gut als tägliches Ritual gegen Stress und Verspannungen. Wichtig sind angenehmer, nie schmerzhafter Druck, eine Haltedauer von 5-7 Sekunden pro Punkt und das Beachten der Kontraindikationen. Für die Anwendung an anderen Menschen empfiehlt sich zusätzlich eine strukturierte Anleitung oder ein Lehrgang.

Welche Shiatsu-Punkte sind besonders wichtig?

Zu den bekanntesten Shiatsu-Punkten zählen Hegu (Hand, bei Kopfschmerzen), Jianjing (Schulterhöhe, bei Nackenstress), Fengchi (Hinterkopf, bei Spannungskopfschmerz), Neiguan (Unterarm, beruhigend), Zusanli (Unterschenkel, kräftigend) und Yongquan (Fußsohle, erdend). Diese Shiatsu-Druckpunkte sind zuverlässig zu tasten und auch in der Selbstanwendung sicher. Der Punkt Hegu sollte in der Schwangerschaft gemieden werden.

Was ist der Unterschied zwischen Shiatsu, Akupressur und Ashiatsu?

Akupressur ist die reine Reizung einzelner Druckpunkte mit dem Finger und bildet einen Teilaspekt von Shiatsu. Shiatsu ist umfassender und kombiniert Fingerdruck mit Dehnungen, Rotationen und Atemarbeit entlang der Meridiane. Ashiatsu hingegen ist eine Barfuß-Massage, bei der mit den Füßen und dem Körpergewicht gearbeitet wird — trotz des ähnlichen Namens hat sie mit dem Fingerdruck-Shiatsu nichts zu tun.

Wie oft sollte man Shiatsu machen?

Bei akuten Verspannungen sind 1-2 Sitzungen pro Woche für 3-4 Wochen sinnvoll. Im Wellness-Bereich reicht eine monatliche Sitzung à 60 Minuten. Selbstanwendung im Schulter-Nacken-Bereich kann auch täglich 5-10 Minuten erfolgen.

Brauche ich für Shiatsu eine spezielle Ausrüstung?

Nein. Sie benötigen nur eine feste Unterlage (Futon, dicke Decke, Yogamatte), bequeme Kleidung für sich und den Klienten, sowie einen warmen, ruhigen Raum. Massageöl wird ausdrücklich nicht verwendet.

Wie wirkt Shiatsu am Abend?

Shiatsu spricht den Parasympathikus (Ruhenerv) an — jenen Teil des Nervensystems, der für Erholung zuständig ist. Besonders die Punkte am Hinterkopf, am Herz-Meridian (Innenseite Arm) und am Yongquan (Fußsohle) werden als beruhigend erlebt. Eine 10-15-minütige Selbstanwendung ist ein ruhiger Tagesabschluss. Halten Schlafprobleme an, gehört die Ursache in ärztliche Abklärung.

Ist Shiatsu in der Schwangerschaft erlaubt?

Im 1. Trimester sollten Sie Shiatsu vermeiden, weil bestimmte Druckpunkte (insbesondere am Knöchel und Bauch) wehenfördernd wirken können. Ab dem 2. Trimester kann spezielle Schwangerschafts-Shiatsu bei Verspannungen, Übelkeit und Wassereinlagerungen helfen — am besten bei einem dafür ausgebildeten Therapeuten.

Kann Shiatsu Schmerzen verursachen?

Shiatsu darf intensiv und manchmal an Triggerpunkten leicht unangenehm sein, aber niemals scharf schmerzhaft. Wenn der Klient die Luft anhält, sich verkrampft oder von Schmerz spricht, sofort den Druck reduzieren. Ein leichter Muskelkater am nächsten Tag ist normal — vergleichbar mit Sportbelastung.

Was kostet eine professionelle Shiatsu-Sitzung?

Eine 60-Minuten-Sitzung bei einem qualifizierten Shiatsu-Therapeuten kostet je nach Region 60-110 €. Krankenkassen übernehmen Shiatsu in der Regel nicht, einige Zusatzversicherungen erstatten Teile. Die Selbstanwendung zu Hause spart langfristig viel — einmal die Technik gelernt, wenden Sie sie lebenslang an.

Wer kann Shiatsu lernen?

Grundsätzlich jeder. Für die Anwendung in Familie und Freundeskreis reicht eine fundierte Anleitung — wie dieser Artikel oder besser ein professioneller Lehrgang auf DVD, in dem alle Druckpunkte und Techniken Schritt für Schritt von einem staatlich anerkannten Therapeuten gezeigt werden. Wer Shiatsu professionell am Kunden anbieten möchte, sollte ein vollständiges Heimstudium oder eine Präsenzausbildung absolvieren.

Quellen & Weiterführende Literatur

  1. Namikoshi T.: Shiatsu — Heilung mit den Fingern. O.W. Barth Verlag — Standardwerk des Shiatsu-Begründers.
  2. Kishi A., Whieldon A.: Sei-Ki: Life in Resonance. Singing Dragon, 2011 — modernes Standardwerk zur energetischen Shiatsu-Praxis.
  3. Gesellschaft für Shiatsu in Deutschland (GSD) e.V. — shiatsu-gsd.de (Fachgesellschaft, Therapeutensuche, Qualitätsstandards).
  4. European Shiatsu Federation (ESF) — shiatsufederation.eu (europäischer Dachverband).
  5. Wikipedia: Shiatsu — Überblick zu Geschichte und Methode.
  6. Wikipedia: Akupressur — Grundlagen der Druckpunkt-Reizung.
  7. Wikipedia: Meridian (TCM) — zum Konzept der Energieleitbahnen.
Ulrich Pötter

Ulrich Pötter

Geschäftsführer & Ausbildungsexperte der WellnessInPerfektion WIP GmbH

Ulrich Pötter ist Gründer und Geschäftsführer der WellnessInPerfektion WIP GmbH und seit über 25 Jahren als staatlich anerkannter Therapeut tätig. Er ist Autor mehrerer staatlich zugelassener Fernlehrgänge (Klett-Verlag) und verantwortet die fachliche Qualität aller Lehrgänge.

Mehr über Ulrich Pötter & die WIP-Akademie →
© 2026 wellnessheimstudium.de • Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung. Hinweis: Dieser Artikel kann Affiliate-Links enthalten. Wenn Sie über solche Links einkaufen, erhalten wir ggf. eine Provision – für Sie entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten. Affiliate-Links beeinflussen nicht unsere redaktionelle Auswahl oder Bewertung der Inhalte.
Über den Autor
Autorenbild Ulrich Pötter
Ulrich Pötter

Der Autor Ulrich Pötter ist selbst staatlich anerkannter Therapeut und Präventionsexperte. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich mit innovativen Ausbildungskonzepten in den Bereichen Massage, Fitness, Wellness, Heilpraktik und Prävention. Er hat fünf professionelle Akademien gegründet, bei denen er auch heute noch Geschäftsführer und Direktor ist.

Sicher und bequem bezahlen
Bezahlmethode PayPal
Bezahlmethode Sepa
Bezahlmethode Klarna
Noch Fragen? Unsere E-Mail Adresse

Die WHI-Akademie ist eine offizielle Marke der WellnessInPerfektion WIP GmbH

Google Bewertung
4.9

Basierend auf 1343 Bewertungen

WellnessInPerfektion WIP GmbH
4.9
1343 Rezensionen
Profilbild von Jessika Elling
vor 2 Wochen
Die Referenten waren super freundlich und mega lieb. ALLE Fragen wurden beantwortet, auch wenn diese bereits im Skript geklärt waren. Durch die entspannte Art wurden mir innerhalb kürzester Zeit meine "Sorgen" genommen. Auch wenn ich ein Prüfungsschisser bin, bin ich froh von einem der beiden im nächsten Jahr geprüft zu werden. ALLE Daumen hoch, weiter so!!!! Und vielen lieben Dank! Jessika
Jessika Elling
Profilbild von Micha Friese
vor 2 Wochen
Live Online Schulung Für Fachpraktiker Massage. Sehr professionell und kurzweilig. Theorie und Praxis wurden sehr gut erklärt. Es wurde auf alle Fragen eingegangen. Freue mich schon auf das Präsenzseminar. Gruss vom Bodensee....
Micha Friese
Profilbild von Andre Stix
vor 2 Monaten
Absolut empfehlenswert – eine tolle Erfahrung! Ich habe hier meine Ausbildung zum Fachpraktiker/in für Massage, Wellness & Prävention absolviert und bin einfach nur begeistert. Schon die Online-Vorbereitung war klasse: Super strukturiert, und alle Inhalte zu den einzelnen Massagen standen vorab perfekt zur Verfügung. ​Die 4 Präsenztage vor Ort in Berlin waren dann das absolute Highlight. Unglaublich informativ, mit ganz viel praktischer Anwendung und direkter Hilfestellung. Ein riesiges Dankeschön an Diana für die tolle Durchführung! Sie hatte wirklich immer ein offenes Ohr für uns und hat uns die besten Tipps und Tricks aus der Praxis gezeigt. Auch an Ulli ein großes Danke für die tolle und reibungslose Vorbereitung der Kurse. ​Ihr seid ein tolles Team, es war eine wunderschöne Zeit und eine großartige Erfahrung für mich. Macht weiter so!
Andre Stix
Profilbild von Heike Regenberg
vor 2 Monaten
Ich kann dieses Seminar und besonders die Dozentin Diana von Herzen weiterempfehlen. Diana ist ein unglaublich herzlicher, empathischer und kompetenter Mensch. Sie hatte während des gesamten Kurses immer ein Lächeln im Gesicht und schaffte es, eine angenehme und entspannte Lernatmosphäre zu schaffen. Besonders beeindruckt hat mich, wie aufmerksam sie auf die Teilnehmer eingegangen ist. Sie merkte sofort, wenn die Konzentration nachließ oder wir etwas müde wurden, und schaffte es mit ihrer motivierenden Art immer wieder, alle zu begeistern und mitzunehmen. Ihre Leidenschaft für das Thema ist in jeder Minute spürbar. Sie vermittelt ihr Wissen mit viel Freude, Geduld und Authentizität. Man merkt einfach, dass dieser Beruf ihre Berufung ist und sie ihn mit ganzem Herzen lebt. Vielen Dank für diese wunderbare Zeit und die vielen wertvollen Erfahrungen. Diana ist eine Dozentin, die man so schnell nicht vergisst!
Heike Regenberg
Profilbild von Ab Ab
vor 2 Monaten
Der Ablauf verlief ohne jegliche Komplikationen. Die Lehrkräfte und Dozenten waren äußerst freundlich. Die Korrekturen erfolgten stets in kürzester Zeit. Auf Anfragen erhielt ich prompt und kompetent Rückmeldungen. Ich beabsichtige, mich auch zukünftig für Studiengänge an dieser Institution anzumelden und diese dort zu absolvieren. Meine Zufriedenheit ist hoch, weshalb ich diese Einrichtung uneingeschränkt weiterempfehlen kann.
Ab Ab