Lymphdrainage selber machen: Die professionelle Anleitung
Lymphdrainage selber machen ist möglich — wenn Sie die richtige Technik beherrschen. Diese sanfte Massagetechnik aktiviert das Lymphsystem mit federleichtem Druck, hilft Schwellungen und Wassereinlagerungen zu reduzieren und unterstützt die natürliche Entgiftung des Körpers. In dieser ausführlichen Anleitung lernen Sie alles, was Sie für die professionelle Selbstanwendung an Bein, Arm und Gesicht wissen müssen — inklusive der häufigsten Fehler, die Sie unbedingt vermeiden sollten.
Key Facts – Lymphdrainage selber machen
- Druck: Federleicht, nicht stark — Lymphgefäße liegen direkt unter der Haut und reagieren nur auf sanfte Reize.
- Richtung: Immer zu den Lymphknoten hin — vom Fuß zur Leiste, von der Hand zur Achsel.
- Anwendungsfelder: Geschwollene Beine, Wassereinlagerungen, Cellulite, nach Verletzungen, bei Migräne, im Wellness-Bereich.
- Frequenz: Tägliche 5-10 Minuten wirken stärker als eine Stunde einmal pro Woche.
- Vorsicht: Bei akuten Infektionen, Herzproblemen oder Thrombose NICHT anwenden — vorher Arzt fragen.
Was ist Lymphdrainage und wie wirkt sie?
Die Lymphdrainage ist eine sanfte, manuelle Massagetechnik, die seit über 40 Jahren medizinisch anerkannt ist. Im Gegensatz zur klassischen Massage arbeitet sie nicht mit kräftigem Druck, sondern mit federleichten, kreisenden Streichungen direkt unter der Haut.
Das Lymphsystem ist ein eigenständiges Transport- und Reinigungssystem unseres Körpers. Es leitet Gewebsflüssigkeit, Eiweißmoleküle, Stoffwechselrückstände und Krankheitserreger zurück in den Blutkreislauf. Wenn dieses System überlastet ist — etwa nach Operationen, Verletzungen oder bei chronischen Erkrankungen — staut sich Flüssigkeit im Gewebe, und es entstehen Ödeme (Schwellungen).
© Dan Race - stock.adobe.com
Die Lymphdrainage aktiviert die natürliche Pumpfunktion der Lymphgefäße und beschleunigt damit den Abtransport. Bei korrekter Anwendung:
- reduziert sich Schwellung und Spannungsgefühl
- verbessert sich die Durchblutung der Haut
- wird der Stoffwechsel angeregt
- fühlt sich der Körper insgesamt leichter an
Wann ist Lymphdrainage sinnvoll? (Indikationen)
Selbst durchgeführte Lymphdrainage eignet sich vor allem im präventiven und Wellness-Bereich. Typische Anwendungsfelder:
- Geschwollene Beine nach langem Sitzen, Stehen oder bei Hitze
- Wassereinlagerungen während der Schwangerschaft (in Absprache mit Hebamme/Arzt)
- Cellulite als ergänzende Maßnahme (das Bindegewebe wird besser durchblutet)
- Müde, schwere Beine bei Reisen oder im Sommer
- Migräne und Spannungskopfschmerz (sanfte Lymphdrainage am Hals/Gesicht kann Linderung bringen)
- Nach Sportverletzungen wie Zerrungen oder Blutergüssen — beschleunigt den Heilungsprozess
- Kosmetische Anwendung im Gesicht — frischere, klarere Haut, weniger Schwellungen unter den Augen
Wann NICHT anwenden? (Kontraindikationen)
Bei einigen Erkrankungen kann eine Lymphdrainage schaden. In diesen Fällen unbedingt zuerst mit einem Arzt sprechen — und niemals selbst durchführen:
- Akute Infektionen mit Fieber — die Bakterien könnten über das Lymphsystem verteilt werden
- Bösartige Tumorerkrankungen (akut oder unbehandelt) — Risiko der Streuung
- Herzinsuffizienz — der Körper kann die plötzliche Flüssigkeitsverschiebung nicht kompensieren
- Tiefe Beinvenenthrombose oder Thrombose-Verdacht — Gefahr eines Lungenembolus
- Akute Hauterkrankungen oder offene Wunden im Massagebereich
- Niedriger Blutdruck — kann zu Schwindel oder Kollaps führen
- Schilddrüsenüberfunktion — kann sich verstärken
Vorbereitung: Was Sie wissen müssen
Bevor Sie mit der Lymphdrainage beginnen, schaffen Sie eine angenehme, ruhige Atmosphäre:
- Ruhe — kein Telefon, keine Ablenkungen
- Bequeme Liegemöglichkeit — eine Massagebank oder zumindest ein festes Bett
- Warme Raumtemperatur (mindestens 22°C) — Frieren stört die Wirkung
- Genügend Wasser — sowohl vor als auch nach der Anwendung trinken (aktiviert das Lymphsystem zusätzlich)
- Keine Massageöle — Lymphdrainage funktioniert auf trockener Haut, weil die Haut leicht verschoben werden muss
- Saubere, kurze Fingernägel — Verletzungsrisiko vermeiden
Die richtige Technik: Druck, Richtung, Frequenz
Die klassische Lymphdrainage nach Vodder besteht aus vier Grundgriffen:
- Stehende Kreise — flache Hand kreist auf einer Stelle, ohne zu rutschen, mit minimalem Druck
- Pumpgriffe — Daumen und Finger umfassen die Gliedmaße, sanftes Pumpen Richtung Lymphknoten
- Schöpfgriffe — die Hand „schöpft" sanft über die Haut, immer Richtung Herz
- Drehgriffe — leicht drehende Bewegung mit der Handfläche
Die wichtigsten Grundregeln:
- Druck: Federleicht. Wenn die Haut weiß wird oder schmerzt, ist es zu viel.
- Richtung: Immer zu den Lymphknoten hin (Leiste, Achsel, Hals).
- Tempo: Sehr langsam — etwa 1 Streichung pro Sekunde.
- Wiederholung: Pro Stelle 5-7 Mal.
Bei der Selbstanwendung der Lymphdrainage ist der Druck der entscheidende Faktor — nicht die Stärke, sondern die Sanftheit. Lymphgefäße liegen direkt unter der Haut und reagieren auf federleichten Druck (gerade so, dass sich die Haut verschiebt, ohne dass das darunterliegende Gewebe gepresst wird). Zu fester Druck verschließt sie sogar! Und: arbeiten Sie immer in Richtung der Lymphknoten — also vom Fuß zur Leiste, von der Hand zur Achsel. 5 Minuten täglich wirken stärker als eine Stunde einmal pro Woche.
Schritt-für-Schritt: Lymphdrainage am Bein
Beginnen Sie immer am Rumpf, nicht am Bein selbst — die zentralen Lymphknoten an Hals und Bauch müssen zuerst „geöffnet" werden, damit der Abfluss funktioniert.
© Dimid - stock.adobe.com
- Halsentstauung (1 Min): Mit beiden Händen sanft die Halsseiten nach unten Richtung Schlüsselbein streichen — 7× wiederholen.
- Bauchatmung (1 Min): Auf den Rücken legen, mit der flachen Hand sanft im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel kreisen — aktiviert die zentralen Bauchlymphknoten.
- Leistenknoten aktivieren (1 Min): Mit der flachen Hand stehende Kreise auf der Leiste — 7× pro Seite.
- Oberschenkel (2 Min): Vom Knie zur Leiste hin, beide Hände abwechselnd, mit pumpenden Bewegungen — 5× pro Bahn (Vorderseite, Innenseite, Außenseite).
- Knie (1 Min): Sanfte Kreise auf der Kniekehle und über der Kniescheibe.
- Unterschenkel (2 Min): Vom Knöchel zum Knie hin, mit pumpenden Bewegungen — Vorderseite und Wade.
- Fuß (1 Min): Sanfte kreisende Bewegungen über Fußrücken und Knöchel, immer in Richtung Knöchel/Knie.
- Abschluss: Bein hochlagern (Wand, Kissen) für weitere 5-10 Minuten — verstärkt die Wirkung.
Schritt-für-Schritt: Lymphdrainage am Arm
Die Arm-Lymphdrainage führt Flüssigkeit zur Achselhöhle ab. Auch hier zuerst Hals und zentrale Knoten aktivieren.
- Halsentstauung (wie oben).
- Achselknoten aktivieren (1 Min): Sanfte Kreise mit der flachen Hand in der Achsel — 7×.
- Oberarm (2 Min): Vom Ellbogen zur Achsel hin, pumpende Bewegungen — Vorder- und Außenseite.
- Ellbogen (30 Sek): Sanfte Kreise um die Ellenbeuge.
- Unterarm (2 Min): Vom Handgelenk zum Ellbogen, pumpend — Innen- und Außenseite.
- Hand (1 Min): Sanfte Streichungen vom Fingeransatz zum Handgelenk.
- Abschluss: Arm hochlagern für 3-5 Minuten.
Häufige Fehler bei der Selbstanwendung
Aus meiner Akademie-Praxis sehe ich immer wieder die gleichen Fehler — die Wirkung ist dann meist null, manchmal sogar kontraproduktiv:
- Zu viel Druck: Wer „kräftig massiert", verschließt die Lymphgefäße statt sie zu öffnen.
- Falsche Richtung: Wer vom Knie nach unten zum Fuß streicht, schiebt Flüssigkeit gegen den natürlichen Abfluss.
- Zu kurz oder zu sporadisch: Eine 30-Min-Lymphdrainage einmal pro Woche bringt weniger als 5 Min täglich.
- Massageöle verwenden: Macht die Hand zu glatt — die Haut muss leicht verschoben werden, nicht gleiten.
- Direkt am betroffenen Bereich beginnen: Erst die Lymphknoten „öffnen", sonst staut sich die Flüssigkeit nur weiter.
- Nicht genug Wasser trinken: Ohne Flüssigkeit kein effektiver Abtransport.
Begleiterscheinungen — Wann zum Arzt?
Bei korrekter Anwendung ist die Lymphdrainage extrem nebenwirkungsarm. Mögliche Reaktionen:
- Müdigkeit/Schläfrigkeit direkt danach — normal, der Körper entspannt
- Häufigerer Harndrang in den nächsten 1-2 Stunden — gewollte Wirkung
- Leichter Blutdruckabfall — viel Wasser trinken, ggf. langsam aufstehen
Sofort einen Arzt aufsuchen, wenn:
- die Schwellung nach mehreren Anwendungen nicht zurückgeht oder schlimmer wird
- plötzlich Schmerzen, Rötung oder Überwärmung der Beine auftreten (Thrombose-Verdacht!)
- Fieber, Schüttelfrost oder allgemeines Krankheitsgefühl dazukommen
- die Schwellung nur eine Seite betrifft
Lerne die professionelle Lymphdrainage komplett
In unserem WHI-Heimstudium „Präventive Lymphdrainage" vermitteln unsere staatlich anerkannten Therapeuten alle Techniken auf DVD, als Stream und als Download — inklusive persönlichem Zertifikat. Sie können bequem zu Hause lernen, in Ihrem eigenen Tempo, ohne Prüfungsstress. Wer richtig durchstarten möchte, holt sich gleich das komplette Praktiker-Heimstudium mit allen 11 Massage-Techniken und beiden Print-Zertifikaten.
Fazit
Lymphdrainage selber machen ist eine wirkungsvolle, einfache Methode für mehr Wohlbefinden — wenn Sie die Grundregeln beachten: federleichter Druck, Streichrichtung zu den Lymphknoten, regelmäßige Anwendung, ausreichend Wasser. Bei akuten Beschwerden, ungewöhnlichen Schwellungen oder den genannten Kontraindikationen sollten Sie unbedingt erst einen Arzt konsultieren.
Wer die Technik wirklich professionell beherrschen möchte, kommt an einer fundierten Anleitung nicht vorbei. Mit unseren professionellen Lernvideos lernen Sie Schritt für Schritt von erfahrenen Therapeuten — bequem zu Hause, im eigenen Tempo, mit lebenslangem Zugriff auf Stream und Download.
Häufige Fragen zur Lymphdrainage
Wie oft sollte ich Lymphdrainage selber machen?
Bei akuten Beschwerden (geschwollene Beine, Wassereinlagerungen) täglich 5-10 Minuten für 1-2 Wochen. Im Wellness-Bereich reichen 2-3× pro Woche à 10-15 Minuten. Tägliche kurze Sitzungen wirken nachhaltiger als seltene lange Anwendungen.
Wie lange dauert eine vollständige Lymphdrainage?
Eine professionelle Ganzkörper-Lymphdrainage dauert 45-60 Minuten. Bei der Selbstanwendung können Sie sich auf den betroffenen Bereich konzentrieren — eine Bein-Lymphdrainage dauert dann etwa 10-15 Minuten, am Arm rund 8-10 Minuten.
Hilft Lymphdrainage gegen Cellulite?
Lymphdrainage kann ergänzend bei Cellulite helfen, indem sie die Durchblutung des Bindegewebes anregt und Wassereinlagerungen reduziert. Sie ist aber keine alleinige „Wunderwaffe" — Bewegung, ausgewogene Ernährung und ausreichend Wasser bleiben die wichtigsten Faktoren.
Darf ich Lymphdrainage in der Schwangerschaft selber machen?
Bei normaler Schwangerschaft und nach Rücksprache mit Hebamme oder Arzt: ja, sanfte Lymphdrainage an Beinen und Armen kann gegen Wassereinlagerungen helfen. Nicht am Bauch durchführen. Bei Risikoschwangerschaft, Präeklampsie oder Vorerkrankungen unbedingt erst medizinischen Rat einholen.
Was ist der Unterschied zwischen präventiver und manueller Lymphdrainage?
Die präventive Lymphdrainage ist eine Wellness-Anwendung zur Vorbeugung und allgemeinen Aktivierung des Lymphsystems — sie kann von jedem geübten Anwender durchgeführt werden. Die manuelle Lymphdrainage (MLD) im medizinischen Sinne ist eine Heilbehandlung gegen diagnostizierte Lymphödeme und darf nur von medizinisch geschulten Personen (Physiotherapeuten, Heilpraktikern, MLD-Therapeuten) auf Verordnung durchgeführt werden.
Brauche ich spezielle Geräte für die Lymphdrainage?
Nein. Die klassische Lymphdrainage funktioniert mit den Händen allein auf trockener Haut. Es gibt zwar elektrische Lymphdrainage-Geräte (z.B. Druckwellenmassage), die im professionellen Bereich eingesetzt werden — für die Selbstanwendung sind Sie aber nicht nötig. Eine bequeme Liegemöglichkeit und ein warmer Raum reichen.
Kann ich die Lymphdrainage richtig durchführen ohne Ausbildung?
Für die einfache Selbstanwendung reicht eine fundierte Anleitung — wie diese hier oder besser: ein professioneller Lehrgang auf DVD, in dem Sie die Griffe Schritt für Schritt von einem staatlich anerkannten Therapeuten gezeigt bekommen. Wer mit der Lymphdrainage professionell arbeiten möchte (z.B. an Kunden), sollte ein vollständiges Heimstudium oder eine Präsenzausbildung absolvieren.
Was kostet eine professionelle Lymphdrainage beim Therapeuten?
Eine 45-Minuten-Sitzung bei einem qualifizierten Therapeuten kostet je nach Region 40-90 €. Bei medizinischer Indikation auf Rezept übernimmt die Krankenkasse einen Teil der Kosten. Die Selbstanwendung zu Hause ist eine sehr kostengünstige Ergänzung — einmal die Technik gelernt, wenden Sie sie lebenslang an.
Quellen & Weiterführende Literatur
- Földi M., Földi E.: Lehrbuch Lymphologie. Urban & Fischer Verlag, 8. Auflage 2020 — Standardwerk der Lymphologie.
- Vodder E.: Manuelle Lymph-Drainage — Therapie I & II. Haug Verlag — Gründertexte der modernen Lymphdrainage.
- Deutsche Gesellschaft für Lymphologie e.V. — dglymph.de (Fachgesellschaft, Patienteninfos und Therapeutensuche).
- Robert Koch-Institut: Hinweise zu Indikationen und Kontraindikationen physikalischer Therapieverfahren — rki.de.
